Welche Performance hat der beste Trader?

Ich will mich heute mal mit der Frage beschäftigen, welche Performance ein guter Trader haben sollte und was es mit dieser, doch häufig anzutreffenden Diskussion auf sich hat. Oftmals fragen Trading- Anfänger nach den erreichbaren Gewinnraten und werden dabei häufig hinters Licht geführt oder belügen sich selbst.

Was ist mit der Performance gemeint?

Damit wir hier die gleiche Sprache sprechen nur kurz die Definition  zur Performance.

Performance ist der prozentuale Gewinn bezogen auf eine bestimmte Zeitperiode (Tag, Monat, Jahr)

Damit ist also die Antwort auf die Frage „Wieviel % machste denn so im Jahr?“ gemeint 🙂

Lieber 130% als 20%, oder?

Um euch mal die aus meiner Sicht wichtigen Zusammenhänge zu erklären, stellen wir uns zwei Trader vor:

Trader A macht 20% Gewinn im Jahr mit seinem Konto.

Trader B machte im letzten Jahr 130% Gewinn mit seinem Konto.

Welcher der beiden ist nun der bessere Trader? Was denken Sie?

Trader A – die konstante Equitykurve

Ich möchte nun den Trader A mal etwas näher vorstellen.

Trader A ist 39 Jahre alt, verheiratet, hat 3 Kinder und lebt in einem Einfamilienhaus irgendwo am Stadtrand. Neben längerfristigen Investments in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und diversen Cashflowing Assets (als Beispiel hier ein Dividendenfond) tradet er ein 500.000€ Konto nach dem marktneutralem, diversifikativem Ansatz mittels Aktiendirektinvestment und kleinsten Positionsgrößen (~0,1% Risiko/ Trade). Das Screening erfolgt softwarebasiert, die Tradeverwaltung erfolgt ebenfalls automatisiert über die Handelssoftware.

In steigenden Gesamtmärkten wird immer mit Stop Sell Positionen abgesichert und damit die Marktneutralität zu Gunsten des Gesamtmarktes angepasst. Bei fallenden Märkten werden mehrere Stop Buy orders vorgehalten, dafür mehr Shorts gehandelt.

Brutto erwirtschaftet Trader A eine Performance von ca. 30% im Jahr, durch den diversifikativen Handel werden aber einige Gebühren fällig was zu netto 20% Performance, immerhin 100.000€ im Jahr Gewinn führt.

Die relativ hohen Tradinggebühren sind kein Problem, das Depot wird von einem kleinen deutschen Brokerhaus geführt, man trifft sich jedes Jahr im kleinen Kreis zum gemeinsamen Urlaub auf Mauritius.

Equity Kurve Trader A

Performance Trader A

An der Depotentwicklung kann man sehen, dass Gewinne konstant erwirtschaftet werden und die Performancekurve (Equitykurve) kaum Schwankungen unterliegt.

Trader B – die volatile Equitykurve

Darf ich nun den Trader B vorstellen. Jurastudent, gefühlt im 27. Semester, wohnhaft in einer typischen Studenten-WG im Herzen von Hamburg. Vater Anwalt, Mutter Zahnärztin, Geld spielte nie eine Rolle. Tradet ein 10.000€ Konto vorrangig in Devisen und Indizes – über CFDs.

Handelsansatz ist eine hochprofitable Countertrend- Strategie mit einer theoretischen Trefferquote oberhalb der 70%. Getradet werden Positionsgrößen 5-8% Risiko/ Trade. Das Screening und die Einstiege und Kursziele werden manuell gesetzt.  Getradet wird Intraday da die Marginanforderungen des CFD- Handels über Nacht zu hoch wären.

Da die Gebühren im Forex- und CFD- Handel recht überschaubar sind, kann man sagen, dass Trader B letztes Jahr brutto wie netto eine Performance von 130% – 13.000€ hinlegte.

Equitykurve Trader B

Performance Trader B

Die Equitykurve von Trader B weist natürlich eine viel größere Steigung auf, allerdings werden hohe Montasgewinne teilweise durch extreme Verluste in Folgemonaten vernichtet.

Welcher Trader ist nun der bessere?

Nehmen wir uns nochmal Trader A vor. Familienvater, bei den Investments kann man davon ausgehen, dass die Rente gesichert ist. Mit einem Konto von 500.000€ relativ wohlhabend muss aber risikoarm gehandelt werden, da das Tradingkapital nicht einfach wiederbeschaffbar ist. Durch die Höhe des Kapitals ist aber auch trotz fast risikoloser Strategie das Ertraden des Familieneinkommens gesichert.

Durch automatisches Screening und automatische Tradeverwaltung ist das Trading von Trader A eher unspektakulär, dafür kann die Zeit mit der Familie und den Hobbys genossen werden.

Könnte der Tradinganfänger diese Strategie handeln? Ja, natürlich und durch die relativ konstante Equiykurve könnten sicherlich auch größere Positionsgrößen und damit höhere prozentuale Gewinne erwirtschaftet werden.

Nun zu Trader B. Stundent, finanziell unabhängig (Dank der Eltern) und hochprofitable Strategie. die 10.000€ sind jederzeit wiederbeschaffbar also kann mit hohem Risiko gehandelt werden. Die maximalen Positionsgrößen von 5%-8% sind auf Grund des zu erwartenden Drawdowns gerade so gewählt, dass ein Totalverlust unwahrscheinlich (aber immer möglich) ist.
Die Strategie wird manuell aber konsequent durch alle Drawdownphasen durchgehandelt.

Könnte nun der Tradinganfänger diese Strategie nachhandeln? Nein, könnte er nicht. Die 130% Performance und die Erfolge von Januar bis April würden den Tradinganfänger zu kompletter Überhebelung verleiten. Kommt dann eine Drawdownphase, würde das das Konto zerstören. Selbst ohne Überhebelung würde die Drawdownphase bis Oktober den Tradinganfänger wahrscheinlich in den psychischen Selbstmord treiben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass beide Trader absolut professionell handeln und sehr gute Trader sind.

  • beide handeln ihre eigene Strategie
  • beide handeln entsprechend ihrem Risikoprofil
  • beide handeln konsequent ihre Regeln

Dennoch würde der Handelsstil des vermeintlich besseren Traders den Anfänger in den finanziellen Ruin treiben.

Welche Alternativen gibt es zur Performance?

Als Alternative zur Angabe der prozentualen Performance hat sich gerade in markttechnischen Gruppen und Foren die Angabe in Risiko-Vielfachen (xR) etabliert. In anderen Tradingbereichen habe ich das übrigens so noch nicht gesehen. Naja… 🙂

Das bedeutet, pro Trade gehe ich genau 1Risiko (1R) ein und gewinne beispielsweise 2R.

Dann kann sich jeder nach seinem eigenenm Risikoprofil selbst ausrechnen, welche Performance ER erwirtschaften könnte.

Also merken: Equitykurve und Risikovielfache statt Prozente 🙂

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