Trendbruch erkennen – aber richtig

Ich bekam heute per Mail das folgende Bild sowie die Frage, ob es sich hier im Gold um einen Trendbruch und damit um einen möglichen Longeinstieg handeln könnte.
Anhand dieses Beispiels will ich euch zeigen, wie man im Zweifelsfall prüfen kann, ob es sich um einen Trendbruch handelt.

Trendbruch

Trendbruch ja oder nein?

Signifikanter Trendbruch – die Gretchenfrage?

Eigentlich ist es doch ganz einfach. Der Trendbruch muss signifikant sein, um als gültiger Trendbruch gewertet zu werden.

Das zu bewerten ist bei der Marktphasenbestimmung der Großwetterlage extrem wichtig.

Bei der Frage, was ein signifikanter Trendbruch ist, streiten sich die Markttechniker zuweilen. Im Folgenden will ich kurz auf die Möglichkeiten, Argumente und Fallstricke eingehen und am Ende eine Definition oder Regeln für einen signifikanten Trendbruch zu erarbeiten.

Nach der klassischen Definition gilt ein Trend als gebrochen, sobald der letzte Punkt 3 um einen Tick, Punkt oder Pip über – oder unterschritten wurde.

Andere Definitionen setzen einen Schlusskurs über dem letzten Hoch beziehungsweise unter dem letzten Tief voraus, um den Trend als gebrochen anzusehen.

Beispielsweise beim Einsatz des Supertrend – Indikators als Filter oder Stopplevel gilt der Trend erst mit Schlusskurs als gebrochen.

1. die klassische Definition

Wie bereits gesagt, handelt es sich bei der klassischen Definition um einen Trendbruch, sobald das letzte Hoch in einem Abwärtstrend überschritten oder das letzte Tief in einem Aufwärtstrend unterschritten wurde.

Nach der Voigt’schen Definition ist damit die Marktphase 8, der einfache Trendbruch gemeint.

Trendbruch Marktphase 8

Trendbruch Marktphase 8

Beim Durchbruch durch diesen Punkt 3 werden dann die Stopps der Marktteilnehmer ausgelöst, die mittels Bewegungshandel oder Trendhandel auf eine Trendfortsetzung spekuliert haben.

Da Stopps selten genau am Punkt 3 liegen, sondern teilweise etwas Marktrauschen berücksichtigen, sollte durch das Auslösen der Stopps ein gewisser Schub entstehen.

Achtung, hier darf es auf keinen Fall zu einer Verwechslung mit der entstehenden Bewegung durch einen Punkt 2 kommen da an einem Punkt 2 deutlich mehr Marktteilnehmer beteiligt sind.

Maßgeblich ist für den Trendbruch, dass Kurse oberhalb dieser Marken gehandelt wurden.

2. Trendbruch auf Schlusskursbasis

Eine andere Definition setzt wie gesagt einen Schlusskurs über beziehungsweise unter dem Punkt 3 voraus.

Die Idee dahinter ist, dass die Kurse sich nach dem Trendbruch halten und nicht sofort zurück gehandelt werden. Beispielsweise durch Einstiegslimite oder Marktteilnehmer, die auf einen Fehlausbruch spekulieren.

Geht es um Schlusskurse kommen wir gleichzeitig aber zu dem Problem der Trendgrößen, Zeit(un)abhängigkeit und der Frage, ab welcher Zeiteinheit ein Schlusskurs überhaupt relevant ist.

Beispielsweise würde in folgendem Beispiel ein- und derselbe Trend angezeigt in einem 30 Minuten Chart nicht gebrochen sein, in einem 15 Minuten Chart aber schon.

Trendbruch auf Schlusskursbasis

Trendbruch auf Schlusskursbasis

Um Michael mal zu zitieren: „Eieiei“ 🙂

3. der signifikante Trendbruch

gehandelte oder gestellte Kurse?

Wichtig ist aus meiner Sicht eine Aussage von Michael Voigt. Es müssen keine Schlusskurse für eine Trendbestimmung vorliegen. Relevant sind die Hochs und Tiefs der Kerzen da die Kurse ja dort gehandelt wurden.

Für mich bedeutet das, dass bei Instrumenten, deren Kursen ein Orderbuch zu Grunde liegt (Aktien, Futures) auch Kurse gehandelt wurden, die 1 Tick, Punkt oder Pip drüber liegen.

Bei Basiswerten, deren Kurse gestellt sind (CFD, Forex etc.), kann dieser Pip, Punkt oder Tick durchaus auch aus Fehlern, Spreadausweitungen etc. entstehen.

Ggf. müssen hier weitere Kurse anderer Quellen geprüft werden.

Bei Instrumenten mit gehandelten Kursen sind aus meiner Sicht auch kleinere Trendbrüche signifikant.

Schub durch ausgelöste Stopps?

Beim Bruch des Punkt 3 sollen Stopps ausgelöst werden und dadurch Schub entstehen. Je mehr Stopps an dem Punkt 3 liegen, desto größer der Schub desto signifikanter der Trendbruch.

Fehlt dieser Schub, ist der gebrochene Punkt 3 möglicherweise nicht relevant für die gehandelte Trendgröße.

Je größer der Schub durch ausgelöste Stopps, desto signifikanter der Trendbruch.

Was sagt die Großwetterlage?

Als Markttechniker liegt das Hauptaugenmerk ja auf der übergeordneten Marktphase. Zur Beurteilung der Signifikanz eines Trendbruchs muss die Wahrscheinlichkeit berücksichtigt werden, mit der ein Trendwechsel zu erwarten ist.

Stichwort ist hier die Phase 3, der übergeordnete Trend befindet sich weit in der Bewegung und eine Korrektur wird immer wahrscheinlicher.

Ein weiterer Fall wäre die Phase 5, also eine tiefe Korrektur des übergeordneten Trends, welche die Wiederaufnahme der Bewegung damit immer wahrscheinlicher werden lässt.

Weiterhin ist zu beachten, ob der übergeordnete Trend nun selbst gerade eine Bewegung (sauberer Verlauf, wenige Fehlsignale) oder eine Korrektur (unsauberer Verlauf, viele Fehlsignale und Trendbrüche) darstellt.

Stellt die Großwetterlage eine Bewegung dar und liegt eine Marktphase vor, die einen Trendwechsel der Signallage wahrscheinlich werden lässt, ist der Trendbruch signifikanter einzustufen.

Anwendung der Regeln und Bewertung des Goldcharts

1. die Großwetterlage

Zur Bewertung der Marktphase der Großwetterlage nehme ich den 4 Stunden Chart. Der Chart weist einen intakten Abwärtstrend auf, dessen letzte Bewegung 50% korrigiert hat und möglicher Weise bereits wieder in Bewegungsrichtung unterwegs ist.

Genau an der Frage, ob der Trend nun gebrochen ist, steht nun die Bewertung, ob es sich noch um eine Marktphase 3 handelt, oder ob es sich bereits um Phase 5+ handelt. Die Großwetterlage hilft hier also nicht weiter.

Gold 4 Stunden Chart

Gold 4 Stunden Chart

 

Handelt es sich bei diesem Trend nun um eine Bewegung oder Korrektur des übergeordneten Trends?

Auch diese Frage kann nicht beantwortet werden. Auf Tagesbasis befinden wir uns in einer trendlosen Phase (Dreieck). Mögliche Marktverläufe habe ich eingezeichnet.

Gold Tagesbasis

Gold Tagesbasis

Da die Großwetterlage keinerlei Anhaltspunkte für die Signifikanz dieses Trendbruchs liefert, müssen nun weitere Prüfungen durchgeführt werden.

Vergleich der Kursstellungen

Dafür vergleiche ich die Kurse von einigen anderen Datenanbietern um einen Anhaltspunkt zu bekommen, ob die Kursstellung meines Brokers korrekt war und der letzte Punkt 3 wirklich überschritten wurde.

  • Anbieter 1: 1297,299 Tageshoch 31.07.2014 zu 1297,166 Tageshoch 01.08.2014 Kein Trendbruch
  • Anbieter 2: 1297,261 Tageshoch 31.07.2014 zu 1297,237 Tageshoch 01.08.2014 Kein Trendbruch
  • Anbieter 3: 1297,37 Tageshoch 31.07.2014 zu 1297,32 Tageshoch 01.08.2014 Kein Trendbruch

Da bei 3 unabhängigen Anbietern das Tageshoch vom 01.08.2014 unter dem Tageshoch vom 31.07.2014 liegt, kann ein Trendbruch an dieser Stelle definitiv ausgeschlossen werden. Wären die Kurse über dem letzten Punkt 3, dem Tageshoch 31.07.2014 gehandelt worden, wäre das bei mehreren Anbietern ersichtlich.

Relevanz des Punkt 3

Auch wenn hier kein (markttechnischer)Trendbruch vorliegt, will ich noch kurz auf die Relevanz des Punktes 3 eingehen.

Schaut man sich den Kursverlauf auf dem 30 Minuten Chart genau an, sind ZWEI Kursverläufe denkbar.

Im Bild 1 abgebildet der Kursverlauf, wenn zuerst der Kursanstieg als Korrektur der letzten Bewegung erfolgte, danach erst der Fall als neue Bewegung (hier innerhalb einer Kerze).

In diesem Fall wäre der Punkt 3, dessen Bruch hier untersucht wird als eines von zwei Korrekturhochs als relevant einzustufen.

Gold Kursverlauf 1

Gold Kursverlauf 1

Im zweiten möglichen Kursverlauf wäre der angenommene Punkt 3 nur Teil der Bewegung, der Trend also frühestens beim Überschreiten der 1303 gebrochen.

Der grau markierte Bereich als zeitlich ausgedehnte Korrektur ist in diesem Falle markttechnisch nicht relevant. Zu relevanten Korrekturen wird es aber noch einen separaten Artikel geben.

Gold Kursverlauf 2

Gold Kursverlauf 2

Es bleibt also nur, den Chart weiter aufzuklappen, um den korrekten Trendverlauf zu erkennen.

Im 5 Minutenchart kann man deutlich erkennen, dass der Kurs zuerst fiel, dann anstieg und damit die Korrektur bildete, um im Nachgang weiter zu fallen.
Es handelt sich also um den grünen Trendverlauf.
Der Punkt 3 ist damit als Korrekturhoch für diesen Trend nicht relevant.

Gold

Gold

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Gültigkeit eines Trendbruchs von vielen Faktoren abhängt.

  • Lässt der übergeordnete Trend überhaupt einen Trendbruch als wahrscheinlich erscheinen?
  • Ist die Kursstellung korrekt?
  • Löst der Trendbruch Stopps aus und erzeugt dadurch Schub?

Des Weiteren sollte man unbedingt die optischen Fehlerquellen durch falsch skalierte Charts vermeiden.

Nur so sind die relevanten Korrekturpunkte auch wirklich ersichtlich.

Natürlich kann es sein, dass Gold nun steigt, aber nicht, weil aus markttechnischer Sicht ein Trend gebrochen wurde 🙂

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Alex,

    super Artikel! Man sieht wie viel Mühe du dir gemacht hast. Weiter so:)
    Ich würde gerne bald auch mit dem tragen beginnen. Komme hier auf den Fall mal wieder drauf zurück!

    Beste Grüße
    Jonas

    Antworten

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