Stopps im markttechnischen Handel

Traden ist ein Spiel mit dem Risiko, mit Wahrscheinlichkeiten und der eigenen Psyche. In diesem Spiel geht es alleine darum, mehr zu gewinnen, als man verliert.
Um das enorme Risiko auf ein erträgliches Maß zu begrenzen, kann und muss man Stopps verwenden.

Welche Möglichkeiten es für Stopps im markttechnisch orientierten Handel gibt, werde ich in diesem Artikel vorstellen.

Was sind Stopps?

Stop-loss Orders, kurz Stopps, sind Orders, die verwendet werden können, um eine Position im Markt gegen zu hohen Verlust abzusichern. Auch bereits entstandene Buchgewinne können abgesichert werden. Wie Stopps als Orderart genau funktionieren und was genau diese Orderart im Orderbuch ausmacht, werde ich in einem eigenen Artikel ausführlich erläutern.

Mit dem Stopp wird im Grunde die eigene Position glattgestellt um unnötige Verluste zu vermeiden oder Gewinne zu sichern. Stopps sollten daher nicht willkürlich, sondern in Abhängigkeit der eigenen Handelsausrichtung sinnvoll gesetzt werden.

Stopps sind damit neben Teilverkäufen und Kurszielen eine weitere Möglichkeit, den Ausstieg im eigenen Handelsstil zu definieren.

Stopps müssen an Stellen im Markt liegen, in dem der eigene Tradeplan nicht mehr gültig ist.

Die verschiedenen Stopparten werden also jeweils nach dem Tradeplan und der Handelsausrichtung gewählt.

Die Stopps im Trendhandel

Wenn wir uns an die Dow- Theorie, speziell Punk 6 zurück erinnern, hat ein Trend Bestand, bis es eindeutige Anzeichen für das Trendende bzw. den Trendwechsel gibt.
Für die Markttechnik bedeutet das, ein Trend hat Bestand, bis es zum Trendbruch kommt. Damit muß der Stopp an Stellen liegen, in dem der Trend als gebrochen gilt.

Trendbruch bedeutet nach markttechnischer Definition das Unter- bzw. Überschreiten eines Punktes 3.

Nachziehen des Stopps am Punkt 3

Damit ist die einfachste Art und Weise der markttechnischen Stopps das Nachziehen des Stopps an den Punkten 3.
Ein markttechnischer Punkt 3 wird bestätigt, sobald der letzte Punkt 2 über- bzw. unterschritten und damit ein neues Hoch im Aufwärtstrend oder Tief im Abwärtstrend entstanden ist.
Sobald der letzte Punkt 3 bestätigt wurde, kann der Stopp an bzw. knapp unter den letzten Punkt 3 gezogen werden.
Wichtig ist hier natürlich, dass keine Trendgröße übersprungen wird und der Stopp nicht zu schnell nachgezogen wird.

Stopps P3

Stopps am markttechnischen Punkt 3

Zu dieser klassischen Art der Stoppversetzung beim Trendhandel gibt es eigentlich keine Alternativen. Ein Trend kann jederzeit bis zum letzten Punkt 3 korrigieren, um dann wieder die eigentliche Trendrichtung aufzunehmen.
Stopps, die anhand gleitender Durchschnitte oder ähnlichem nachgezogen werden, würden oft zu vorzeitigen Ausstiegen aus dem Trend sorgen.

Stopps beim Ausbruchshandel

Beim Ausbruchshandel liegt das Risiko im Geld. Das bedeutet, dass beim Handel des Ausbruchs nur sehr wenig Bewegung vom Markt erwartet, dafür aber eine hohe Positionsgröße benötigt wird, um Gewinne zu erwirtschaften.

Beim Ausbruchshandel wird demzufolge nicht mit nachgezogenen Gewinnsicherungsstopps gearbeitet.
Beim Ausbruchshandel wird lediglich ein Katastrophenstopp gesetzt, um das eigene Kapital vor Totalverlust zu schützen.

Oftmals wird dazu der Stopp unter das letzte kleine lokale Tief (oft nur wenige Punkte oder Pips entfernt) gelegt und die Positionsgröße über einen festen Prozentsatz des Kontos errechnet.

Aus meiner Sicht gibt es dazu beim Ausbruchshandel keine Alternativen, da die Gewinnmitnahme bereits nach sehr wenigen Punkten oder Pips erfolgen muss und der Gewinn hier über die Positionsgröße geholt wird.

Stopps im Bewegungshandel

Beim Stoppen im Bewegungshandel wird versucht, nur die Bewegungen eines Trends zu handeln, die Korrektur aber auszulassen. Die Korrekturen des untergeordneten Trends wiederum sollen nicht zum Auflösen der Position führen.
Die Aufgabe ist also, so viel wie möglich aus der Bewegung herauszuholen, unnötige Ausstopper durch den untergeordneten Trend aber zu vermeiden.

Dafür gibt es einige Möglichkeiten in der Markttechnik.

1. Nachziehen des Stopps an den Periodentiefs

Der klassische Stopp im Bewegungshandel nach Markttechnik ist wohl der Trailing Stopp an den Periodentiefs unter Beachtung der Innenstäbe. Was Innenstäbe sind, werde ich später in einem eigenen Artikel mal erklären.

Hier ist erst mal wichtig für Sie, dass Innenstäbe zwingend beachtet werden müssen. Ich verweise hier einfach mal auf Michael Voigt’s „Das große Buch der Markttechnik“**.

Beim Nachziehen des Stopps hinter den Periodentiefs wird ähnlich wie beim Nachziehen des Stopps hinter den Punkten 3 beim Überschreiten des Periodenhochs (oder -Tiefs im Abwärtstrend) der Stopp unter das Tief der Vorperiode gezogen.

Da Bewegungen oftmals sehr stark sein können, die Perioden demzufolge im Verhältnis groß, ist dieser Stopp teilweise nicht optimal. Bei großen Perioden liegt der Stopp dann natürlich sehr weit weg.
Weiterhin führen untergeordnete Korrekturen oftmals zum Ausstoppen der Position, was Wiedereinstiege notwendig macht.

Der Vorteil dieser Stoppart ist allerdings, dass während der laufenden Periode KEIN Handlungsbedarf besteht. Der Stopp muss erst nach Schließen der laufenden Periode verschoben werden.

Bei Beachtung von Innenstäben ist der Trailing Stopp an den Vorperiodentiefs die einfachste Art, den Stopp im markttechnischen Bewegungshandel zu setzen, führt allerdings oft zum ungewollten Ausstoppen und notwendigen Wiedereinstiegen.

 2. Stopps mittels Indikatoren

Um das Problem zu lösen, dass der Stopp bei großen Perioden im Bewegungshandel oft weit weg gesetzt werden muss, kann man bestimmte Indikatoren einsetzen.
Auch wenn der Einsatz von Indikatoren in der Markttechnik oft belächelt wird, ist deren Einsatz als Stopplevel durchaus zu empfehlen, gerade, weil sich die Stoppsetzung damit automatisieren lässt – aber dazu mehr in weiterführenden Artikeln.

Als guter Indikator für Stopplevel bietet sich der ParabolicSAR an. Dieser ist am Anfang der Bewegung weiter entfernt, lässt dem Trade also „Luft“ und wird mit fortschreitender Bewegung immer enger gezogen.
Der PSAR bildet also in gewisser Weise sogar die fachliche Unschärfe bei der Stoppsetzung ab.

Eine zweite Möglichkeit wäre der Supertrendindikator. Der Supertrend zeichnet einfach ein Vielfaches der ATR, der Average True Range, ab, ein Maß für die Volatilität des Marktes.
Beim Supertrend kommt es oft vor, dass einzelne Perioden weit unter den Indikator gehandelt werden, der Trend aber Bestand hat.
Diese Eigenheit sollte man beim Setzen der Stopps berücksichtigen. Aus meiner Sicht zählt erst ein Schlusskurs unter dem Supertrend als Ende der Bewegung.

Die Stoppsetzung mittels Indikatoren hat übrigens den selben Vorteil wie das Trailen hinter den Vorperiodentiefs. Ein Versetzen des Stopps ist erst nach Abschluss der laufenden Periode nötig.
Ein erheblicher Vorteil ist hingegen, dass in untergeordneten Konsolidierungen dennoch der Stopp versetzt werden kann und somit mehr Buchgewinne abgesichert werden können.

PSAR und Supertrend Stopps

Stopps mittels PSAR und Supertrend

Ob nun der Parabolic oder der Supertrend geeigneter sind, kann man ohne Weiteres nicht sagen.
Der Parabolic ist am Anfang sehr weit entfernt (großer Initialstopp), sichert aber mit fortschreitender Bewegung immer mehr Gewinne ab.
Der Supertrend hält tiefere, untergeordnete Korrekturen ohne Ausstoppen ab, hat aber in sehr volatilen Phasen durch die zu Grunde liegende ATR ähnlich weite Stopps, wie das Trailen an den Periodentiefs.

Da man aus meiner Sicht den konkreten Trendverlauf nie abschätzen kann, sollte man sich einfach für einen Stoppindikator entscheiden und diesen dann konsequent nutzen.

Wer übrigens mehr über das Konzept der Average True Range erfahren möchte, findet im ING Markets Club ein Webinar von David Pieper zu den Themen Volatilität und ATR.

3. Trailing Stopp am Punkt 3

Wie jetzt? Das war doch der Stoppverlauf beim Trendhandel, oder?
Richtig! Aber, was bedeutet denn Bewegung?

Bewegung in der Markttechnik bedeutet, dass ein untergeordneter Trend besteht.

Wenn man den Abstand zum Markt, welcher durch den Bewegungshandel entsteht, nicht benötigt, kann man einfach in den der Bewegung, die gehandelt werden soll, untergeordneten Trend schalten und die Stopps einfach an den P3s nachziehen. Damit sitzen die Stopps sowohl in zeitlich ausgedehnten Korrekturen als auch in sehr volatilen Phasen immer korrekt.

Natürlich wird das durch größere Nähe zum Markt erkauft und die Vorteile des Perioden- bzw. Indikatorstopps entfallen.

Stopps im Korrekturhandel

Der Handel in Korrekturen ist nicht unbedingt zu empfehlen, da Korrekturen einfach sehr unsauber verlaufen, viele Fehlausbrüche und Fehlsignale erzeugen. Dennoch kann auch in Korrekturen gehandelt werden.
Auch Korrekturen weisen teilweise Trendeigenschaften auf aber der untergeordnete Trendhandel ist auf keinen Fall zu empfehlen da immer damit gerechnet werden muss, dass die Korrektur beendet und der Trend fortgesetzt wird.

Soll in der Korrektur gehandelt werden, sollten nur untergeordnete Bewegungen mit sehr engen Stopps benutzt werden.

Fachliche Unschärfe bei der Stoppsetzung

Bei der Stoppsetzung kommt man zwangsläufig auf das Thema der fachlichen Unschärfe.
Das bedeutet, dass die Regeln für die Stoppsetzung nicht ganz korrekt befolgt werden, um zum Beispiel dem Markt etwas mehr „Luft“ zu geben.
Fachliche Unschärfe kann natürlich immer angewandt werden, darf aber nie als Argument für fachlich inkorrekte Trades genutzt werden.

Bei der Anwendung fachlicher Unschärfe gilt:

Je weiter fortgeschritten die Marktphase, desto wahrscheinlicher ist die größere Korrektur, desto sauberer müssen die Regeln der jeweiligen Stopptechnik befolgt werden.

Zusammenfassung

Das Thema der Stoppsetzung im markttechnischen Handel ist sehr umfangreich und dieser Artikel kann nur einen groben Überblick geben. Die angrenzenden Felder Trendaufbau, Innenstäbe, Trendgrößen, Korrekturhöhen bis hin zur Psyche und dem Geldmanagement müssen durchdacht werden, um die verschiedenen Stopptechniken passend zur Handelsausrichtung fachlich korrekt anzuwenden.

Zu all diesen Bereichen der Markttechnik wird es weiterführende, eigene Artikel geben, in denen ich mit Ihnen die tiefen markttechnischen Zusammenhänge ergründen möchte.

**Affilliate-Link

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