Markttechnik vs. Indikatoren

Beschäftigt man sich mit der Markttechnik oder allgemein mit dem Trading stolpert man unweigerlich irgendwann über die Frage Indikatoren ja oder nein. Gerade viele Markttechniker handeln völlig ohne Indikatoren im Chart. Vielleicht aus dieser Tatsache hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der markttechnische Handel und Indikatoren nicht zusammen passen.

Ob an diesem Gerücht etwas dran ist, will ich hier mal beleuchten.

Was sind Indikatoren?

In der technischen Analyse gibt es verschiedene Richtungen. Neben Charttechnik und Markttechnik gibt es auch indikatorbasierte Handelssysteme.

Indikatoren sind meist mathematisch berechnet und stellen Preise oder Volumen anders dar. Sie können genutzt werden, um bestimmte Situationen im Chart deutlicher anzuzeigen. Indikatoren können auch genutzt werden, um Trends zu definieren. Indikatoren können ebenso genutzt werden, um Handelssignale zu generieren oder Trailing Stopps zu setzen.

Die Berechnung der Indikatoren erfolgt dabei meist aus den historischen Kursen. Aus diesen Berechnungen können dann Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Kurse abgeleitet werden.
Nachteilig ist dabei, dass Indikatoren oftmals dem Kurs hinterher laufen, da sie aus Mittelwerten vergangener Kurse berechnet werden.

Marc Aurel hat nach einer längeren Diskussion auf Facebook dazu ein sehr gutes Video produziert.
Er erklärt dort, was Indikatoren sind und welche Arten es gibt.

Bitte beachten Sie, dass beim Starten des Videos Daten an Youtube gesendet werden. Ich habe keinen Einfluss auf und keine Kenntnis über die erhobenen Daten. Die Datenschutzerklärung von Google/ Youtube finden sie hier.

Ich möchte mich hier übrigens auf technische Indikatoren beschränken, welche sich auf den Preis direkt beziehen da diese Indikatoren am häufigsten bei privaten Tradern eingesetzt werden.

Themen wie Orderbücher, News oder Sentimentindikatoren möchte ich hier erst einmal außen vor lassen.

Welche Möglichkeiten bieten Indikatoren?

Um die Frage, ob sich markttechnischer Handelsstil und die Nutzung von Indikatoren grundsätzlich ausschließen anzunähern,  möchte ich hier auf einzelne Möglichkeiten der Indikatoren eingehen und gebe dann eine Einschätzung aus markttechnischer Sicht.

1. Trenddefintion

Neben der markttechnischen Trenddefinition gibt es auch die charttechnische Trenddefinition mittels Trendlinien. Man kann einen Trend natürlich auch mittels Indikatoren definieren.

Beispielsweise können zwei gleitende Durchschnitte dazu verwendet werden, einen Aufwärtstrend oder Abwärtstrend zu definieren.

Ein ADX zeigt die Trendstärke und kombiniert mit einem ±DI Indikator auch die Trendrichtung an.

Solche Trendfilter können bei der Automatisierung von Handelssystemen oder zur Programmierung von Marktscannern verwendet werden.

Aus markttechnischer Sicht brauchen Indikatoren nicht zur Trenderkennung herangezogen werden. Die markttechnische Trenddefinition ist sehr einfach, eindeutig und gegenüber Indikatoren oftmals schneller.
Viele Trader, die eigentlich ein indikatorbasiertes Handelssystem benutzen, greifen auf die markttechnische Trenddefinition mit höheren Hochs und höheren Tiefs zurück, um den Trend eindeutig zu identifizieren.

Lediglich bei der Nutzung von Marktscannern ist der Einsatz dieser Trendfilter sinnvoll.

2. Widerstand und Unterstützung

Außer den klassischen horizontalen Widerstands- und Unterstützungsleveln zeigen auch einige Indikatoren Widerstands- und Unterstützungsbereiche an. Hier sind ebenfalls wieder wichtige gleitende Durchschnitte wie der 50er GD oder der 200er GD genannt.

Trenddefinition mit Indikatoren

Indikatoren können Trendstärke und Trendrichtung anzeigen aber auch Als Widerstand und Unterstützung wirken.

Auch speziell berechnete Support&Resistancelevel wie die Pivot- Punkte zeigen solche Bereiche im Chart an.

Die Markttechnik kommt im Allgemeinen ohne Widerstands- und Unterstützungslevel aus und definiert Korrekturzonen anhand älterer Hoch- bzw. Tiefpunkte (Punkte 2 und 3). Aus meiner Sicht ist die Nutzung von Indikatoren zur Erkennung von Widerstand und Unterstützung nicht notwendig für den markttechnischen Handel. Ausnahme bilden hier die Pivot- Punkte, die im Intradayhandel durchaus beachtet werden sollten.

 3. Generierung von Handelssignalen

Indikatoren können Handelssignale für jede Handelsausrichtung (Trend- Bewegung- Ausbruch – Korrektur) generieren. Es gibt wirklich nahezu unbegrenzte Kombinationen aus Indikatoren zur Generierung von Signalen.

Wer sich tiefer mit den Möglichkeiten indikatorbasierter Handelssysteme beschäftigen möchte, findet bei Forex Strategie Ressources eine unerschöpfliche Sammlung an indikatorbasierten Handelssystemen.

Benötigt der markttechnisch orientierte Trader Indikatoren als Einstiegssignal? Nein!

Kann der markttechnisch orientierte Trader Indikatoren zur Generierung seiner Handelssignale nutzen? Ja natürlich!

Die Markttechnik versucht ja, zwei Fragen zu beantworten. Wenn die Großwetterlage stimmt, also die Frage nach der Fortsetzung des Trends positiv beantwortet werden kann, dann ist aus markttechnischer Sicht der konkrete Einstieg nicht mehr unbedingt wichtig.

Ich selbst trade aus dem nackten Chart und benötige keinerlei Indikatoren für meine Einstiegsentscheidungen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung dass beim markttechnischen Handel Indikatoren als Signal genutzt werden können.

Das selbe gilt natürlich auch für charttechnische Signale wie Formationen, Linien etc.

4. Indikatoren als Stopplevel

Indikatoren können nicht nur Einstiegssignale generieren sondern können auch Level für korrekte Stoppsetzung anzeigen. Bei bestimmten Handelsstilen kann es besser sein, Stopps nachzuziehen anstatt Kursziele festzulegen.

Gerade beim Handel der Bewegung als Handelsausrichtung ist die Stoppversetzung immer ein Kompromiss aus Gewinnabsicherung und Vermeidung unnötigen Ausstoppens. Wird der Stopp zu eng gezogen, wird man ausgestoppt, obwohl der Markt weiter in die gewünschte Richtung läuft. Zieht man den Stopp zu weit, muss man bis zum Ausstoppen mehr seiner Buchgewinne abgeben.

Hier seien die Indikatoren ParabolicSAR und Supertrend genannt, die neben weiteren sehr gut zur Stoppversetzung herangezogen werden können.

Benötigt der markttechnisch orientierte Trader Indikatoren zur Stoppversetzung? Nein!

Die Markttechnik bietet für jede Handelsausrichtung Regelwerke zur Stoppversetzung, die ohne Indikatorunterstützung auskommen. Beispielsweise die Stoppsetzung mittels Perioden oder untergeordnetem Trend.

Kann der markttechnisch orientierte Trader Indikatoren zur Stoppversetzung nutzen? Ja natürlich!

Genau wie bei den Einstiegen ist es im markttechnischen Handel weniger wichtig, dass ein konkreter Ausstieg aus dem Trade stattfindet, solange die Großwetterlage stimmt.

Gerade im Bewegungshandel ist der Einsatz eines ParabolicSAR sinnvoll, denn je weiter die Bewegung gelaufen ist – damit eine Korrektur wahrscheinlich wird – desto enger liegt der Stopp durch den PSAR.

Handelt man dazu noch eher diversifikativ kann die automatische Tradeverwaltung mittels Trailingstopp sogar notwendig werden.

Gründe für den Einsatz von Indikatoren

Wie Sie gesehen haben, ist der Einsatz von Indikatoren im markttechnischen Handel eigentlich nicht notwendig. Sowohl Großwetterlage, Ein- und Ausstiege können ohne den Einsatz von Indikatoren gefunden werden.

Warum verwenden dann sehr viele Trader indikatorenbasierte Handelssysteme. Warum verdient eine ganze Industrie an der Entwicklung und dem Verkauf neuer Indikatoren?
Was sind die Gründe dafür?

Können Sie sich noch an den ersten Chart erinnern, den Sie als beginnender Trader gesehen haben? Hätten Sie sich jemals vorstellen können, irgendetwas aus diesen roten, grünen und schwarzen Strichen ablesen zu können?
Ich wusste ja nichtmal, was eine Kerze ist, was rot und was grün bedeutet.

Viele angehende Trader, die sich mit Technischer Analyse befassen, kommen auf Indikatoren und deren oberflächlich betrachtet einfacherer Deutung im Chart. Oftmals bleiben diese Trader einfach aus Gewohnheit dabei und entwickeln ihren eigenen indikatorbasierten Handelsstil.

Es gibt aber auch Trader, die trotz dem Wissen um den Chartaufbau und die Markttechnik Indikatoren einsetzen. Das liegt an der Psyche der Trader. Manche Menschen brauchen einfach ein Visualisierung der Regeln und ganz konkrete optische Signale für Ein- und Ausstiege.

Wieder andere Trader wollen oder müssen Teile oder sogar ihre ganze Handelsstrategie automatisieren und sind damit gezwungen, Indikatoren für das Trading einzusetzen.

Fazit

Der Einsatz von Indikatoren hat viele Vor- und Nachteile. Als markttechnisch orientierter Trader überwiegen aus meiner Sicht die Nachteile wie die verspäteten Signale und Glättung des eigentlichen Preises.

Dennoch ist es aus markttechnischer Sicht legitim, Indikatorn zur Generierung der Einstiegssignale zu verwenden und Stopptechniken damit zu automatisieren.

Wie sehen Sie den Einsatz von Indikatoren? Traden Sie aus dem nackten Chart heraus oder nutzen sie auch Indikatoren für Ihr Trading?

 

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